Gesegnetes Ramadanfest

Gesegnetes Ramadanfest – Mit diesem Wunsch begegneten sich über 250 Muslime zu ihrem Ramadanfest.

Am 17.07.2015 feierte die Islamische Gemeinde Gera im Evangelischen Jugendhaus Shalom das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. Die Gemeinde hatte alle Interessierten zum Fest eingeladen. Es kamen auch ca. 40 Nichtmuslime. Die Organisatoren, der Verein “Moschee e.V. Gera” und der interkulturelle Verein Gera e.V. sowie die Kollegen aus dem Jugendhaus Shalom trafen sich bereits 7 Uhr in der Früh, denn das Fest begann um 9.00 Uhr mit einem Gebet. Die Oberbürgermeisterin von Gera, Viola Hahn, wohnte dem Gebet bei und sprach danach einige Worte zu den Anwesenden. Wie zuvor der Imam der Gemeinde, Herr Salim, rief sie die Migranten zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Gera auf. Sie dankte den Muslimen für die Öffnung des Festes für alle Interessierten.

Das wichtigste Wort bei diesem Fest war Respekt. Viele Nichtmuslime waren gekommen, um mehr über den Glauben und das Leben der Muslime zu erfahren. Dazu nutzten viele die Diskussionsrunde zu dem Thema “Frauen im Islam”. Ines Frenzel, die als Atheistin zum Islam konvertiert ist und den islamischen Namen Miriam angenommen hat, erzählte über ihren Weg zu diesem Glauben. An der Diskussion beteiligten sich auch viele Frauen aus syrischen Flüchtlingsfamilien. Mit Hilfe von Salwa Kassab, die als Dolmetscherin aushalf, konnte das Gespräch gut funktionieren. Viele Fragen, insbesondere über das Kopftuchtragen und die Stellung der Frau in der muslimischen Familie, wurden diskutiert.

Dabei wurde klar, dass es in verschiedenen islamischen Ländern häufig eine Vermischung zwischen Islam und herkömmlichen Traditionen gibt. Das führt dazu, dass es erhebliche Unterschiede in dem täglichen Leben der Muslime gibt. Wie bei anderen Religionen auch gibt es viele Strömungen und Deutungen, die bei den Muslimen nicht immer mit dem Islam selbst zu tun haben. Die Diskussionsteilnehmer haben an diesem Tag viel gelernt, insbesondere, das mehr Wissen über das Leben und die Kultur anderer Menschen auch zum besseren Verständnis untereinander beiträgt.

Es war ein Fest, das von Begegnungen, Gesprächen und einem friedlichen und fröhlichen Beisammensein geprägtes war.

Alle Frauen brache Kuchen und Süßigkeiten mit. Auch deutschen Kuchen steuerten IKV-Mitarbeiterinnen bei. Viel Süßes ist bei diesem Fest wichtig, denn es heißt   auch Zuckerfest. Nach dem langen Fasten sind die süßen Sachen ein Symbol für  Freude. Für die nichtmuslimischen Besucher war natürlich auch das gemeinsame Essen ein besonderes Erlebnis. Die Speisen wurden durch die islamische Gemeinde übernommen. Pakistanische Männer waren die Köche. Es war, wie sie sagten, aus Rücksicht auf andere Besucher nur mittelscharf gewürzt. Für den Gaumen dieser Besucher war es reichlich aber noch angenehm scharf.

Natürlich war es für Nichtmuslime ungewohnt, dass Frauen und Männer bei dem Essen an getrennten Tischen  saßen. Aber der Respekt machte es leicht, dies zu  akzeptieren.

 

Alle Teilnehmer,  Muslime und Nichtmuslime, verbrachten einen sehr entspannten und erholsamen Tag. Insbesondere für die Flüchtlinge unter den Muslimen war es ein wunderbares Ramadanfest, denn viele von ihnen konnten durch die Flucht schon lange kein so schönes Fest erleben.

In Gera gab es vor ca. 20 Jahren das letzte offene Ramadanfest. Damals wurde es auch im evangelischen Jugendhaus Shalom gefeiert. Die Veranstalter  beschlossen jedenfalls das Fest im nächsten Jahr wieder hier zu feiern.

In diesem Jahr wurde es durch die Thüringer Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge sowie Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ unterstützt und von vielen Ehrenamtlichen vorbereitet.

 

Der Offene Kanal Gera bietet auf seinem Youtube-Kanal ein Video der Veranstaltung, das vom Interkulturellen Verein Gera produziert wurde: