Begegnung mit Thomas Geve – ein Bericht

Dieser Bericht erzählt über Begegnungen mit einem bemerkenswerten und charismatischen Mann, Thomas Geve aus Israel.

Vom 4. bis 8. November 2013 fand in Gera das Projekt „Als Kind im KZ“ statt. Es war ein Projekt mit einem KZ-Überlebenden. Es wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ sowie durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert.

Der Interkulturelle Verein Gera hatte in Kooperation mit der Geraer Volkshochschule Thomas Geve nach Gera eingeladen.

 

Thomas Geve war Häftling in mehreren Konzentrationslagern Birkenau, Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald. In Buchenwald wurde er im April 1945 befreit. Bei einem gemeinsamen Besuch im KZ Buchenwald erzählt er uns kurz seine Geschichte. Er führt uns durch das Lager und zeigt uns, wie das Lager aufgebaut war.

Zu Beginn unseres Projektes wurde am 04.11.2013 in der Aula der Staatlichen berufsbildenden Schule Wirtschaft/Verwaltung in Gera die Ausstellung mit Zeichnungen von Thomas Geve eröffnet. Diese Zeichnungen entstanden nach seiner Befreiung in Buchenwald. In den 82 Zeichnungen dokumentiert „der kindliche Historiker“, wie er sich selbst bezeichnet, das Grauen im KZ. Vom 5. bis 8. November 2013 hatten auch Schüler aus Geraer Schulen die Möglichkeit, Thomas Geve kennenzulernen, ihm Fragen zu stellen und seine Zeichnungen zu sehen. An acht Begegnungen nahmen über 600 Schüler teil. Eine weitere Begegnung fand im evangelischen Jugendhaus Shalom in Gera statt.

Zu Beginn jeder Begegnung erzählte Thomas Geve kurz über sich. Danach sahen die Schüler einen Film von Wilhelm Rösing über das Schicksal von Thomas Geve. Der Film war emotional und hart. Er zeigte die Wirklichkeit des Lebens in einem Konzentrationslager der Nazizeit. Nach dem Film waren die Schüler einen Moment sprachlos. Dann kamen aber die Fragen der Schüler und Lehrer. Sie fragten:

Sie wurden in Auschwitz von Ihrer Mutter getrennt. Haben Sie Ihre Mutter je wiedergesehen?

Sie haben so viel Schlimmes durch die Deutschen erlebt. Wie stehen Sie heute zu den Deutschen? Hassen Sie die Deutschen?

Wussten Sie, was mit den Mithäftlingen passiert, die verschwunden waren?

Haben Sie etwas von Folter mitbekommen oder gesehen?

Gab es Zeiten, wo Sie sich gewünscht haben, lieber zu sterben, als das alles im KZ zu ertragen?

Geht man an einen solchen Ort zurück, an dem man so viel Schlimmes ertragen musste?

Thomas Geve beantwortet viele Fragen. Jugendliche zeigen großes Interesse und sind wirklich beeindruckt von diesem Mann. Die Antworten auf die Fragen können Sie in unserem Video hören, das wir gerade im Rahmen des Projektes bearbeiten. Es wird voraussichtlich im Januar 2014 im offenen Kanal Gera ausgestrahlt. Nach den großen Fragerunden mit Jugendlichen spricht er noch mit einzelnen Gruppen und zeigt seine Zeichnungen, die die Schüler im Rahmen der Veranstaltungen am gleichen Ort besichtigen können.

(Film „Als Kind im KZ“ vom YouTube-Kanal des Offenen Kanals Gera.)

 

Zu den Begegnungen brachte Thomas Geve auch sein Buch mit. Der Titel des Buches ist „Geraubte Kindheit. Ein Junge überlebt den Holocaust“. Er schrieb das Buch 1958. Viele Schüler lassen sich das Buch von Thomas Geve signieren. Und er spricht auf währenddessen mit ihnen. Er kommt an bei den Jugendlichen und auch bei uns.

Am 9. November 2013 spricht Thomas Geve bei der Gedenkkundgebung aus Anlass der Reichspogromnacht. Er erzählt, wie er am 9. November 1938, da war er 10 Jahre alt, die Reichspogromnacht erlebt. Nach der Kundgebung nimmt Herr Geve an einer weiteren Begegnung mit Teilnehmern der Kundgebung in der Geraer Volkshochschule teil.

Am 10. November bringen wir Thomas Geve nach Erfurt zur jüdischen Landesgemeinde. Dort nahm er an einer Begegnung mit Schülern in einem Gymnasium teil. Vom 12. bis 15. November 2013 ist Thomas Geve bei der jüdischen Gemeinde in Chemnitz. Hier hat er in Chemnitz und Plauen an fünf Begegnungen und Veranstaltungen teilgenommen.

Im Rahmen des gesamten Projektes konnten über 1000 Menschen an Begegnungen mit Thomas Geve teilnehmen bzw. seine Zeichnungen sehen.